Streit um Musikschule „Preludio“ geht weiter

18.01.2011 – Neue Klage und Beiladungsbeschluss

Halterner Zeitung, 25.01.2011. – von Berthold Fehmer

18.01.2011 - Neue Klage und Beiladungsbeschluss - Die Nachbarn Hans Erdmann-Falck und Dorothee Falck verklagen die Stadt Haltern, vertreten durch Bürgermeister Bodo Klimpel.

HALTERN    Die juristischen Auseinandersetzungen um die Musikschule „preludio“ von Jacek Stam gehen in eine weitere Runde: Die Nachbarn Hans Erdmann-Falck und Dorothee Falck verklagen die Stadt Haltern, vertreten durch Bürgermeister Bodo Klimpel.

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen soll nach dem Willen der Kläger die von der Stadt Haltern nachträglich erteilte Baugenehmigung für Stam vom 21. Dezember 2010 für den Ausbau des Dachgeschosses an der Lohstraße sowie die Nutzungsänderung der Wohnräume in Musikunterrichtsräume aufheben.

Fehlerhaftes Lärmgutachten

Die Kläger gehen davon aus, dass die Zulassung von Unterrichtsräumen in einem „faktischen reinen Wohngebiet“ unzulässig und das der Genehmigung zugrunde liegende Lärmgutachten fehlerhaft sei. Zudem seien die immissionsschutzrechtlichen Auflagen nicht geeignet, Lärmbelästigungen den Nachbarn gegenüber zu vermeiden. Man behalte sich vor, einen Antrag auf Herstellung der aufschiebenden Wirkung zu stellen.

Hans-Erdmann Falck wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung in der Sache mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. Das Ehepaar Stam hingegen, das vom Richter des Verwaltungsgerichts beigeladen wurde, da ihre rechtlichen Interessen berührt sind, bedauert, dass die Streitigkeiten mit der erteilten Baugenehmigung kurz vor Weihnachten nicht abgeschlossen sind. Als „schönes Weihnachtsgeschenk“ habe er sie damals empfunden, sagte Jacek Stam. Die neue Klage sei ein „Spiel um unsere Existenz“. Und nicht nur das: „Viele Lehrer sind von uns abhängig.“

Keine Baugenehmigung

Zum Hintergrund: 2009 hatte das Ehepaar das Haus an der Lohstraße gekauft – nicht wissend, dass für das bereits ausgebaute Dachgeschoss keine Baugenehmigung vorlag. Zwischendurch musste die Musikschule aufgrund von Klagen der Nachbarn unter anderem in die Räumlichkeiten zweier Fitnessstudios ausweichen. Zwei Lärmgutachten wurden erstellt, das zweite nahm auch die Verkehrsströme und Parkplatzsituation ins Visier.

Die Musikschule „preludio“ hat insgesamt mehr als 100 Schüler, die zumeist im Einzelunterricht das Musizieren erlernen. Kleingruppen gibt es nur bei den ganz jungen Schülerinnen und Schülern.


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Redaktion www.preludio.biz


Ausgewählte E-Mail-Reaktionen

25.01.2011, 08:28
Liebe Familie Stam, es tut mir sehr leid. Es ist unglaublich, wie (…) diese Menschen sind. Wenn wir irgendwie helfen können, geben Sie bitte Bescheid.
Liebe Grüße, A. R.

25.01.2011, 10:23
Ich finde es eine (…), dass das Ehepaar so viel Steine in den weg legt. Nicht das davon ohne hin die Existenz der Musikschule dran hängt, auch das man nicht ohne Probleme die Musikschule führen kann, die Kinder und Jugendliche musikalisch fördert, wovon es sowieso schon zu wenig in Deutschland gibt, da fällt einem nichts zu ein – fast schon unmenschlich.

Ich finde es super wie ihr eure Arbeit macht und bin froh Unterricht bei euch zu haben.
Liebe Grüße Simon

25.01.2011, 20:45
Die Lohstrasse liegt als Verbindungsstrasse zwischen dem Nordwall und der Lavesumer Strasse.
Die Lohstrasse liegt mitten in dem Stadtgebiet, das die Stadt Haltern nordwestlich der Innenstadt (Nordwall) bildet.
Alle angrenzenden Wohnviertel nordwestlich der Innenstadt (Nordwall) zwischen Dahläckern, Oderstrasse, Lavesumer Strasse, Reinhard-Freerick Strasse und Hennewiger Weg waren im letzten Jahrhundert mit Gewerbe durchmischt. Folgende Gewerbe waren ansässig:
Bäuerliche Landwirtschaft mit Schweinezucht, Milchwirtschaft und Federvieh, Metzgereien, Bäckereien, Installateure, Friseure, Heißmangel, Bauunternehmungen, Garten- Landschaftsbaubetriebe, Architekturbüros, Lebensmittelgeschäfte, Gastronomie- und Kneipen, Fuhr- und Speditionsunternehmen, Busunternehmen, Öl- und Kohlenhändler, Kirchen, Gemeindehäuser, Kindergärten, Schulen, Kaffeerösterei, Blumengroßhandel, Bildhauerwerkstatt, Schmiede, Gardinen und Stofffachgeschäft, Radio- und Fernsehfachgeschäft, Versicherungsbüros und andere Dienstleister, und viele mehr; alle bekomme ich leider nicht mehr zusammen.

Den geschichtlichen Hintergrund dieses gewachsenen Stadtgebietes zu vergessen, entspräche nicht der Wirklichkeit. Es wäre blind und arrogant.

All diese gemischten Nutzungen sind für unser Lebensumfeld eine echte Bereicherung und waren für uns Bewohner niemals störend. Sie gehören zum Alltagsleben dazu, gaben Einblick in die Gesellschaft.

Die moderne Entwicklung der reinen Wohngebiete bietet den Menschen leider nicht mehr die Möglichkeiten der Vielfalt und der kurzen Wege. Wer schickt seine Kinder heutzutage noch schnell mal zum Einkaufen oder zur Musikschule um die Ecke?

Groß geworden auf der Lavesumer Str. 45 erinnere ich mich gut an zwei Ladenlokale an der Lohstraße, direkt neben dem Haus Nr. 38:(heute Fam. Stam & Preludio – JS)
– das Lebensmittelgeschäft Freericks, Lohstrasse 40.
– das Kneipenlokal mit Gastronomie, Lohstrasse 42.
Diese beiden Ladenlokale waren bis in die 70 er Jahre hinein belebt und genutzt.
Von daher ist die Lohstrasse zwischen Gildenstrasse und Lavesumer Strasse immer ein Mischgebiet gewesen.

An der Gildenstrasse gibt es ein Restaurant, einen Friseur, ein Steuerbüro, sowie eine Kirche mit Gemeindehaus, in der ein lebhaftes Gemeindeleben stattfindet.

In der Kirche finden regelmäßig Konzerte statt, im Gemeindehaus Tanzveranstaltungen und anderes.
Ach ja, einen Kindergarten gibt es ja auch noch an der Gildenstrasse.
Da kann die Familie Erdmann-Falck aber froh sein.
Das Bundesverfassungsgericht hat nämlich erst vor kurzem Kinderlärm als nicht beklagenswerten „Störfaktor“ benannt.

Noch ein Satz zum Abschluss:
„(…)“

Achim Becker
Dipl.Ing. Architekt
Disselhof 16
45721 Haltern am See


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