25.01.09 Sänger an die Front

„Musikalisch gibt es heute abend nur Höhepunkte“

25.01.09 - Sänger an die Front

Schon wieder ein Semesterkonzert? Vor zwei Wochen gab es doch schon mal eins? Ja, aber diesmal bekam die Gesangsklasse der Musikschule Preludio erstmals ihr eigenes Konzert (Wir berichteten) – zugleich Prüfung, aber das zahlreich anwesende Publikum honorierte nur die Sänger und Sängerinnen.

Am Sonntagabend um 18 Uhr betrat der Gesangslehrer der Musikschule, Matthias Ortmann, die Bühne und kündigte an: „Dieses ist ein Experiment.“ Und die Zuschauer im vollen Saal des Alten Rathauses wussten auch noch nicht, was sie im Detail erwartete. Die Gesangsklasse bot 6 ihrer Schüler und zwei Vokalgruppen auf – ein schon mehr als zweistündiges Programm. Meistens wurden 3 Stücke pro Teilnehmer vorgetragen. Da das Konzert zugleich Semesterprüfung sein sollte, waren die anerkannten Gesangspädagoginnen Anne Klare (Münster) und Susanna Keye (Bochum) als externe Juroren geladen. Die SchülerInnen sollten unabhängiges und fundiertes Feedback bekommen – im vertraulichen Gespräch im Anschluss. Zusätzlich gab es aber noch einen Publikumspreis. Die Zuschauer sollten den beliebtesten „Act“ wählen.

Musikalische Hürden gab es an diesem Abend keine. Repertoire von Musical und Oldies bis Pop modernster Prägung, von Matthias Ortmann oft an den Tasten begleitet, gelegentlich auch mit Playbacks. Die jüngste Sängerin Sophie Monsheimer (11) machte gleich den Anfang und wagte sich unter anderem mit noch zarter jugendlicher Stimme an „My Heart Will Go On“, das Celine Dion ihrerzeit auf ein doch sehr hohes Plateau hob. Monika Hürter (46) hingegen hatte nicht nur reiferes Repertoire etwa von Carole King dabei, sondern sang auch ebenfalls lyrisch Melanie C. und Duffys „Warwick Avenue“.

Die Musikschule Preludio legt seit jeher Wert auf Ansagen, deshalb verknüpften die meisten Sänger Innen ihre Lieder mit Inhaltsangaben oder persönlich für sie damit verbundenen Botschaften. Sebastian Dziggel (29), einziger männlicher Gesangsschüler, widmete „Papa, Can You Hear Me?“ seinem Vater und gestaltete dann den Repertoireschwerpunkt Barbara Streisand sehr gefühlig von Ballade bis Uptempo und saÜber intoniert aus. Marina Heinrichs (25) brachte ihre beeindruckende körperliche Erscheinung und ihr rauchiges Timbre auf die Klassiker „Black Velvet“ und „Eternal Flame“ an. Ihr folgte Puny Lotfi (19), schon beim vorigen Semesterkonzert für Überraschungen gut, mit „The House of the Rising Sun“ – die Energie der „Animals“ floss deutlich ein – John Lennons „Imagine“, wobei ihre orientalische Stimmfärbung über ein R´n´B-Arrangement erklang, und dem ältesten Stück des Abends, „Somewhere Over the Rainbow“. Michaela Hensel (19) schliesslich, auf dem besten Weg zu einer lyrisch-ätherischen Stimmidentität, sang Maximo Park, Genesis und „Clocks“ von Coldplay, als habe sie die Stücke selbst geschrieben.

Bleibt noch zu erwähnen, dass zwei jugendliche Vokalgruppen, eine davon eine Chor-AG der Joseph-Hennewig-Schule, die Ortmann betreut, den Abend abrundeten. „Complicated“ von Avril Lavigne war zu hören, welches den Publikumspreis gewann und „Das Beste“ von Silbermond. So wird es das durchweg begeisterte Publikum wohl auch eingeschätzt haben. Das Beste.

„Musikalisch gibt es heute abend nur Höhepunkte“ – meinte Matthias Ortmann, der auch moderierte und manchmal mit den Tücken der Soundtechnik für seine Schüler zu kämpfen hatte. Ein dennoch gelungener Abend. Die Musikschule Preludio hegt die Hoffnung auf weitere solche Konzerte, gerne auch mit Unterstützung durch Sponsoren oder einem alternativen Veranstaltungsort. [Fotogalerie]