Private Musikschule muss wegen Lärm-Klagen schließen


05.05.2010, Irene Stock – WAZ

Brainin-Musikschule Preludio, 1. und 2. OG

Haltern am See Weil sie sich von einer privaten Musikschule in der Nachbarschaft gestört fühlen, haben zwei Hausbesitzer in Haltern gegen die Stadt geklagt. Nach einem Urteil des Verwaltungsgericht muss der Musikpädagoge seine Schule nun sofort schließen.

Eine Musikschule kann die schönste Einfamilienhaus-Idylle zunichte machen. So sieht es jedenfalls ein Hausbesitzer in Haltern am See und klagt gemeinsam mit einem Nachbarn gegen die Stadt, weil diese den Betrieb einer privaten Musikschule in einem Wohngebiet genehmigt hat.

Der Kläger, ein ehemaliger Baudirektor im Bauordnungsamt der Stadt Gelsenkirchen und nun im Ruhestand („Den möchte ich noch 10, 15 Jahre genießen“), fühlt sich von der Stadt übergangen: „Wir haben Verständnis für die Lage des Käufers, aber hätte die Stadt uns von Anfang an beteiligt, hätte der Käufer eine andere Entscheidung getroffen.“

Musikpädagoge bangt nun um seine Existenz

Der Käufer, ein Musikpädagoge, der nach der Brainin-Methode unterrichtet, bangt nun um seine Existenz. Er habe das Haus im Vertrauen auf die Aussage der Stadt gekauft und alle erforderlichen Brandschutzvorgaben erfüllt, sogar ein Lärmschutzgutachten auf eigene Kosten erstellen lassen, sagt er. Das Gutachten bestätigt, dass der Musikunterricht bei geschlossenen Fenstern unterhalb des Schwellenwertes liegt. Unberücksichtigt bleiben im Gutachten allerdings der Parkplatzverkehr auf dem rückwärtig gelegenen Gartengrundstück der Musikschule sowie der Umgebungslärm (Straße).

Diese drei Lärmquellen summiert ließen den Schwellenwert deutlich übersteigen, argumentiert der Rechtsvertreter des Klägers. Das sieht das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen ähnlich und hat nun die Stadt aufgefordert, eine Nutzungsuntersagung gegen die Musikschule auszusprechen. Bis Dienstagmittag sollte der Musikpädagoge unterschreiben, dass er die Musikschule sofort schließt. Der weigert sich jedoch: „Das Haus ist meine Erwerbsgrundlage“, sagte er auf WAZ-Anfrage. Die Hälfte seiner Schüler (92) wohne im Umkreis von unter zwei Kilometern. „Die kommen zu Fuß oder mit dem Rad, aber nicht im Auto.“

Keine Chance auf Schadenersatz

Chancen auf Schadensersatz hat der Musikpädagoge laut Stadtsprecher Georg Bockey nicht. Die Stadt habe zwar aufgrund des Gutachtens der Nutzungsänderung zugestimmt, diese sei aber erst am 13. Juli 2009 beantragt worden – eine Woche nach dem Hausverkauf. Schließt der Musikpädagoge die Schule nicht, droht ihm ein Ordnungsgeld. Das städtische Amt für Wirtschaftsförderung will einen Alternativstandort vermitteln.


Kommentare – Der Westen Artikel

Trauriger deutscher Alltag! Da wird einerseits auf Kinder und Jugendliche geschimpft, dass sie faul seien und nichts tun würden, während von der älteren Generation ein Knüppel nach dem anderen in deren Beine geworfen wird, die deren vernünftige Beschäftigungen zunichte machen. Manche Rentner sind höchst borniert!
von PepeMusic , am 05.05.2010 um 12:47


na, da hat der kläger ja die alten kollegen noch mal richtig wachgerüttelt – vielleicht sollte man mal ein gutachten erstellen, wie hoch der lärmpegel ist, wenn des baudirektors kollegen mit ihren dienst- und sonstigen wagen zu besuch kommen …
wer ist eigentlich der 2. kläger ? auch so ein schwachmat ?
von lummerland_express , am 05.05.2010 um 13:13


WER MUSIKSCHULEN SCHLIESST, VERSÜNDIGT SICH AN DER INNERE SICHERHEIT!!! …wußte sogar Otto Schily.

Diese Hausbesitzer sind Verbrecher!!!!!
von GonzoHunter , am 05.05.2010 um 14:04


 

 

Siehe auch:

VIDEO WDR Dortmund: Lärmklage gegen Musikschule
VIDEO Lokal TV: Anwohnerstreit um Musikschule