Musik, die nicht die Herzen öffnet

Darf Schule im Wohngebiet eröffnen?

Halterner Zeitung – 12.09.2009

Musik, die nicht die Herzen öffnet - Halterner Zeitung 12.09.09HALTERN • Musik führt zusammen, sorgt aber im vorliegenden Fall für Disharmonien zwischen zwei Interessengruppen. „Ich bin ein unkomplizierter Mensch“, sagt Jacek Stam, der seine Musikschule Preludio von der Holtwicker Straße an die Lohstraße verlegen möchte. Am alten Standort findet der Unterricht zurzeit in der Wohnung von Familie Stam statt: Klavierunterricht im Schlafzimmer, Gitarre und Gesang im Wohnzimmer, … . Nun hat Stam ein Haus erworben, in dem er im Erdgeschoss wohnen und darüber arbeiten kann. Mit Arger hat der 57-Jährige nicht gerechnet. An der Holtwicker Straße habe sich nie jemand beschwert. Zudem habe ihm das Bauamt der Stadt mitgeteilt, dass er als Freiberufler in einem Wohngebiet tätig werden könne.

„Wir sind alle vom Hocker gefallen“, erinnert sich Hans-Erdmann Falck als Sprecher der Nachbarn an den 15. August. An diesem Tag überraschte Jacek Stam bei einer Nachbarschaftsfeier mit der Nachricht, dass seine Musikschule bald am neuen Standort eröffne. Rund 20 Betroffene legten Nachbarschaftswiderspruch ein und stellten vier Kritikpunkte in den Vordergrund:

  1. Lärmemissionen durch das Spiel der Schüler und den Pkw-Verkehr führten zu einer Verschlechterung der Wohnsituation.
  2. Das Nadelöhr Lohstraße werde durch zusätzlichen Verkehr belastet.
  3. Geplante Parkbuchten im Garten der Musikschule sorgten für Beeinträchtigungen.
  4. Durch die Genehmigung der Musikschule werde ein Präzedenzfall geschaffen, der weitere Ansiedlungen nach sich ziehe. Die Grundstücke verlieren an Wert.

Für das städtische Bauamt ist der Fall längst nicht entschieden. Anette Brachthäuser informierte, dass Jacek Stam zwar eine planungsrechtliche Ersteinschätzung zugestellt wurde. Danach ist die gewerbliche Nutzung für freischaffend Tätige in Wohngebieten grundsätzlich rechtens. Allerdings sei Stam im gleichen Schreiben darauf hingewiesen worden, dass er einen Bauantrag einreichen müsse, um eine Nutzungsänderung zu erwirken. Mittlerweile sei diese eingetroffen. Es müssten aber unter anderem noch ein Lämschutzgutachten und eine Betriebsbeschreibung folgen. Über den Verlauf des Verfahrens würden die Nachbarn zeitnah informiert. Diese haben bereits einen Rechtsanwalt eingeschaltet und schließen rechtliche Schritte nicht aus. • Silvia Wiethoff •


Leserbriefe zum Artikel „Musik, die nicht die Herzen öffnet“ Halterner Zeitung – 17.09.2009

Moralisch nicht haltbar

Die Musikschulen in Haltern bereichern kulturelle, kirchliche und wohltätige Veranstaltungen mit ihren Darbietungen. Banken und Stiftungen fördern die jungen Musiker! Wer schon einmal eine Musikschule betreten hat, kennt die angenehme Atmosphäre. Da werden hier ein paar Tonleitern gesungen, dort klingen Klaviertasten oder Gitarrensaiten. Die Unterrichtszeiten sind nachmittags. Kleinere Kinder werden schon einmal mit dem Auto zum Unterricht gebracht. Aber die Mehrheit der Schüler kommt wohl nicht mit dem Auto! Wie kann es also sein, dass eine Musikschule, in der überwiegend Kinder unterrichtet werden, auf einen derartigen Widerstand stößt? Das ist nach meiner Meinung moralisch und sachlich gegenüber dem Betreiber Herrn Stam nicht zu halten. Vermutlich haben die Protestierenden selbst oder deren Kinder keine Musikschule besucht und halten vielleicht auch nicht viel von Musik?! Haben die 20 Leute, die Widerspruch eingelegt haben, das zu Ende gedacht? Sollen die Kinder in Zukunft in abgelegenen Gewerbeparks unterrichtet werden? • Magdalene Fry – Haltern am See


Ohnehin schon viel Verkehr

Mit diesem Artikel beschwerten sich die Anwohner darüber, dass Jacek Stam seine Musikschule in der Lohstraße neu eröffnen möchte. Sie beschwerten sich darüber, dass mehr Verkehr und der Lärm die Wohnsituation verschlechtern. Ich bin der Meinung, dass Jacek Stam seine Musikschule ohne Bedenken neu eröffnen kann, weil das Spielen der Schüler nicht so laut ist, dass man sich beschweren müsste. Ich spiele selber schon acht Jahre Geige und es ist nie so laut, dass sich schon mal irgendjemand in der Nachbarschaft beschwert hat. Ich glaube auch nicht daran, dass durch die Musikschule mehr Verkehr verursacht wird und die Wohnsituation verschlechtert wird, da in der Lohstraße auch ohnehin schon viel Verkehr besteht. Jacek Stam muss sogar aufpassen, dass der Hund nicht überfahren wird, weil von links und rechts ständig Autos kommen. Außerdem kann es ja auch sein, dass irgendjemand aus der Nachbarschaft ein Musikinstrument erlernen möchte. Ich glaube nicht daran, dass dieser Nachbar wegen zu viel Lärm fluchtartig einen Umzugswagen bestellen muss. Und ich möchte als Schülerin dieser Musikschule nicht noch länger auf einer Baustelle für viel Geld unterrichtet werden. Böse Menschen haben keine Lieder. • Juliane Melcher