Chöre gehen die Stimmen aus

Zu wenig junge Leute haben Interesse am aktuellen Liedgut der Sänger

Daniele Giustolisi, Halterner Zeitung, 30.06.2014

chorvereinigung

HALTERN. Früher war es in vielen Halterner Familien Tradition: Ging der Opa in den Männerchor, folgten Söhne und Enkel. Die Chöre sprossen wie Pilze aus dem Boden. Heute sieht die Lage in Haltern dagegen etwas anders aus. Die Sorgen für die Zukunft sind groß.

Nur noch zwei ernst zu nehmende Männerchöre – Kolpingchor und MGV Einigkeit Lavesum – gibt es in der Seestadt, nachdem erst Kürzlich die Chorvereinigung Haltern am See auf ihrer Jahreshauptversammlung ihre Auflösung beschloss. Der Grund: Sängermangel in den einzelnen Stimmen, wenig Nachwuchs, Überalterung. Probleme, die auch die zwei übrig gebliebenen Halterner Männerchöre bestens können. „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht: Viele junge Leute haben kein Interesse mehr, dabei haben wir unser Liedgut sogar umgestellt“, klagt Gerhard Nolte, Vorsitzende der der gescheiterten Chorvereinigung. Das Repertoire wurde vielfältiger, die Konzerte des Chores kamen gut an, nur der Nachwuchs blieb aus.

Zudem waren die Mitgliedsbeiträge des Chores in die Höhe geschossen. Zuletzt waren es laut Angaben Noltes weil über 100 Euro im Jahr. Für viele Mitglieder war die Schmerzgrenze erreicht. Dabei hatte die Chorvereinigung mit Stam einen guten Chorleiter in den eigenen Reihen –doch das schien zuletzt nicht das Problem. Am Ende 17 Mitglieder, das waren für einen vielstimmigen Chor einfach zu wenige. Die Auflösung schien unumgänglich. Dabei hatte die Chorvereinigung nach der Fusion den Männerchöre MGV Frohsinn und des Männerchors 1921 im Jahr 2007 in Spitze 32 Sänger. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Nachwuchs gesucht

Beim MGV Einigkeit Lavesum sieht die Situation vergleichsweise gut aus. „Wir haben in den letzten zwei Jahren vier neue Sänger dazubekommen“, berichtet Vorsitzender Heinz Meusener. Zurzeit seien es 25 aktive Mitglieder, dennoch sei der Bedarf am Nachwuchs groß. „Wir versuchen, durch Auftritte und Broschüren neuen Nachwuchs zu überzeugen. wir geben nicht auf“, sagt Meusener. Unter anderen mit Liedern von Udo Jürgens oder neuerdings der norddeutschen Band Santiano, die traditionelle Volkslieder, Schlager, Irish Folk und Seemannslieder mischt, will der Chor überzeugen. „Es dauert manchmal Jahre, bis man die Noten von solchen Bands von den Verlagen bekommt“.Unter den Halterner Chören zurzeit am besten aufgestellt ist der Kolpingchor. Rund 40 Sänger zählt Vorsitzender Hubert Jasper aktuell. „Im Augenblick ist der Chor so gut aufgestellt, dass er Konzerte erfolgreich durchführen kann, aber wie das in zehn bis 15 Jahren aussieht, weiß ich auch nicht“, sagt er.Das Problem sei, dass das aktuelle Liedgut der Chöre für junge Leute nach außen hin nicht attraktiv genug wirke. Würde der Chor sein Liedgut ändern, gefiele dies wiederum den jetzigen Mitgliedern nichtFür neuen Nachwuchs sieht Jasper daher vor allem nur eine Lösung: „Es geht nur über Jugendchöre.“ Dies sei auch schon Thema auf Verbandsebene gewesen. Ob diese Weg am Ende auch fruchtet, vermag aber auch er nicht zu beurteilen

Daniele Giustolisi

Chorvereinigung sagt „Danke“

  • Der Vorstand der Chorvereinigung bedankt sich beim Dirigenten und Chorleiter Jacek Stam für seine jahrelange Tätigkeit zum Wohle des Männerchors.
  • Weiterer Dank geht an den Vorsitzenden Gerhard Nolte und die Vorstandsmitgliedern Theo Kleine-Schulte, Gregor schütze und Josef Hülsmann sowie an den Notenwart Karl Klaus und an Norbert Peelen.
  • Dank geht vor allem an die Sänger, die dem Männerchor jahrelang die Treue gehalten haben, und an das Vereinslokal „Altes Gasthaus Döbber“ mit seiner Wirtin, wo der chor seine proben abhielt.

NOTABENE

Chorvereinigung 26.10.2010. Foto: Stefanie KudakFür Erinnerung: Artikel in Halterner Zeitung über Sonntagskonzert in Oktober 2010. Chorvereinigung sang damals Seemannslieder und Shantys bei rund 200 Zuschauer in der Aula. Begleitet wurde der Chor vom Dirigenten und Chorleiter Jacek Stam am Klavier. Außerdem auf der Bühne gastieren Storytellers, Florian Albers und Vladimir Fell.
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