Ganztagsschule: Sterben die Musikschulen aus?

Von den 184.000 Musikschülern könnte etwas über ein Viertel abhanden kommen. Probleme werden vor allem im ländlichen Raum erwartet. Musikschulen seien weit mehr als nur ein Ort des Lernens.

(14.02.2010 ALEXIA WEISS Die Presse)

Klavier8WIEN.  Österreichweit besuchen heute 184.000 Kinder und Jugendliche eine Musikschule, 140.000 davon sind im Pflichtschulalter. „Wenn nun laut einer Umfrage des Bildungsministeriums ein Drittel aller Eltern dazu entschlossen ist, die Ganztagsschule zu nutzen, betrifft das mindestens auch rund 50.000 Musikschülerinnen und Musikschüler“, sagt Walter Rehorska, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Musikerziehung Österreich (AGMÖ).

Er betont, „aus pädagogischen und familienlogistischen Gründen bin ich absolut kein Gegner ganztägiger Schulformen“. Allerdings: Auf die Bedürfnisse musizierender Kinder müsse bei der Planung und Umsetzung ganztägiger Schulformen Rücksicht genommen werden. Man müsse bei der Gestaltung von Freizeitaktivitäten innerhalb der Ganztagsschule ganz klar trennen „zwischen Kreativität, Sport und Musik“.

Der Flow-Effekt

Wenn man ein Instrument erlerne, bedeute das eben nicht nur, nachmittags einen entsprechenden Unterricht zu besuchen. „Nur wenn man auch regelmäßig übt, stellt sich der Flow-Effekt ein, dann gibt es die ersten Erfolge.“ Regelmäßig üben: Das bedeute am Anfang fünfmal in der Woche wenigstens eine halb Stunde trainieren, je nach Fortschritt steigert sich diese Zeitspanne und das Instrument muss täglich gespielt werden.

Aber wird es an den Ganztagsschulen auch entsprechende Räume geben, in denen die Schüler tatsächlich einzeln üben können? In den Städten gebe es bereits jetzt viele Kooperationen zwischen Musik- und Volksschulen, sagt Rehorska. Allerdings vor allem im Bereich des Basis-, also Gruppenunterrichts. Das sei wunderbar in den ersten zwei Lernjahren. Mit der zunehmenden Individualisierung des Unterrichts bei fortschreitendem Können gestalte sich das schwieriger.

Örtliches Kulturzentrum

Rehorska gibt zudem zu bedenken, dass Musikschulen im ländlichen Raum weit mehr als nur ein Ort des Lernens seien: Hier werde der Nachwuchs für viele Vereine – etwas Blasmusikkapellen – herangebildet. Die Musikschule fungiere aber auch oft als örtliches Kulturzentrum. „Es gibt Standorte mit bis zu 400.000 Besuchern im Jahr.“

Wolfgang Fleischhacker leitet eine solche Musikschule. Die Musikschule Murau unterrichtet heute 850 Kinder und Jugendliche, 36 Lehrkräfte sind im Einsatz. Neben dem Stammhaus in Murau gibt es auch Zweigstellen in Neumarkt, Oberwölz, Ranten, St. Lambrecht, St. Peter am Kammersberg, in Scheifling und in Stadl an der Mur. „Es ist sehr wichtig, dass man rausfährt zu den Leuten.“ Wenn der Unterricht nun im Rahmen einer Ganztagsschule bis 16 Uhr, 16.30 Uhr dauere, „dann sind die Schüler mit den schlechten Verkehrsverbindungen am Land frühestens um 17 Uhr, 17.30 Uhr zu Hause“, meint Fleischhacker. Auch er betont: „Wir sind alle keine Gegner der Ganztagsschule. Aber es gibt eben starke und schlechte Zeiten. Und zum Üben braucht man einen Raum, in dem man ungestört ist. Wir befürchten, dass die Musik hier auf der Strecke bleiben wird.“

Würde die Ganztagsschule morgen eingeführt, „würde das einen sofortigen Rückgang der Schülerzahlen von etwa 30 bis 40 Prozent bedeuten“, so Fleischhacker. Wie auch Rehorska regt er daher an, den Musikunterricht in das Ganztagsschulkonzept zu integrieren. Er kann sich zum Beispiel vorstellen, dass die Musiklehrer in das Pflichtschulsystem integriert würden.

Keine Zeit für Wahrnehmung

Wenig kann er einer „Amerikanisierung des Instrumentalunterrichts“ abgewinnen – im sogenannten Klassenmusizieren mit Collegebands werde mehr schlecht als recht in Instrumente getrötet. „Diese Instrumente muss man auch nicht mit nach Hause nehmen, geübt wird während der Probe, für musikalische Wahrnehmungen bleibt ohnehin keine Zeit, weil man sich mit der Vermittlung von technischen Elementarkenntnissen herumschlagen muss, zum Beispiel mit Griffbezeichnungen über den Noten.“ Wer als talentiert eingestuft werde, lerne etwas später in Fünfergruppen. „Nach drei Jahren in solchen Kursen darf der begabteste Schüler vielleicht zu einem Musikprofessor, wo er draufkommt, dass er für eine Musikerkarriere etwas zu alt ist.“ Dieses System sei leichter finanzierbar, mache den meisten Kindern genauso viel oder auch mehr Spaß. Das sei auch gut so, passe aber eben nicht ins „Musikland Österreich“.

Ein seltener Wert

Ähnliche Sorgen macht sich auch Rehorska. Schon jetzt gebe es „eine große Jammerei“, weil an den heimischen Musikuniversitäten immer mehr Studierende aus dem Ausland verzeichnet würden. Wobei Rehorska hier erklärend hinzufügt: oft hätten internationale Bewerber um Plätze an den heimischen Musikunis schon eine entsprechende Ausbildung im Ausland hinter sich.

Generell sei die Dichte der musikpädagogischen Angebote in Österreich „ein Wert, den man in der Welt selten findet“. Doch der musikalische Nachwuchs müsse gepflegt werden. Er hofft nun auf entsprechende Konzepte im Rahmen der Diskussion um die Ausweitung der Ganztagsschule.

Mehr zum Thema: „Werden mit den Musikschulen reden“
Arbeitsgemeinschaft Musikerziehung Österreich      www.agmoe.at
Musikschule Murau      www.ms-murau.at
(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 15.02.2010)

Chöre gehen die Stimmen aus

Zu wenig junge Leute haben Interesse am aktuellen Liedgut der Sänger

Daniele Giustolisi, Halterner Zeitung, 30.06.2014

chorvereinigung

HALTERN. Früher war es in vielen Halterner Familien Tradition: Ging der Opa in den Männerchor, folgten Söhne und Enkel. Die Chöre sprossen wie Pilze aus dem Boden. Heute sieht die Lage in Haltern dagegen etwas anders aus. Die Sorgen für die Zukunft sind groß.

Nur noch zwei ernst zu nehmende Männerchöre – Kolpingchor und MGV Einigkeit Lavesum – gibt es in der Seestadt, nachdem erst Kürzlich die Chorvereinigung Haltern am See auf ihrer Jahreshauptversammlung ihre Auflösung beschloss. Der Grund: Sängermangel in den einzelnen Stimmen, wenig Nachwuchs, Überalterung. Probleme, die auch die zwei übrig gebliebenen Halterner Männerchöre bestens können. „Das Ende der Fahnenstange ist erreicht: Viele junge Leute haben kein Interesse mehr, dabei haben wir unser Liedgut sogar umgestellt“, klagt Gerhard Nolte, Vorsitzende der der gescheiterten Chorvereinigung. Das Repertoire wurde vielfältiger, die Konzerte des Chores kamen gut an, nur der Nachwuchs blieb aus.

Zudem waren die Mitgliedsbeiträge des Chores in die Höhe geschossen. Zuletzt waren es laut Angaben Noltes weil über 100 Euro im Jahr. Für viele Mitglieder war die Schmerzgrenze erreicht. Dabei hatte die Chorvereinigung mit Stam einen guten Chorleiter in den eigenen Reihen –doch das schien zuletzt nicht das Problem. Am Ende 17 Mitglieder, das waren für einen vielstimmigen Chor einfach zu wenige. Die Auflösung schien unumgänglich. Dabei hatte die Chorvereinigung nach der Fusion den Männerchöre MGV Frohsinn und des Männerchors 1921 im Jahr 2007 in Spitze 32 Sänger. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Nachwuchs gesucht

Beim MGV Einigkeit Lavesum sieht die Situation vergleichsweise gut aus. „Wir haben in den letzten zwei Jahren vier neue Sänger dazubekommen“, berichtet Vorsitzender Heinz Meusener. Zurzeit seien es 25 aktive Mitglieder, dennoch sei der Bedarf am Nachwuchs groß. „Wir versuchen, durch Auftritte und Broschüren neuen Nachwuchs zu überzeugen. wir geben nicht auf“, sagt Meusener. Unter anderen mit Liedern von Udo Jürgens oder neuerdings der norddeutschen Band Santiano, die traditionelle Volkslieder, Schlager, Irish Folk und Seemannslieder mischt, will der Chor überzeugen. „Es dauert manchmal Jahre, bis man die Noten von solchen Bands von den Verlagen bekommt“.Unter den Halterner Chören zurzeit am besten aufgestellt ist der Kolpingchor. Rund 40 Sänger zählt Vorsitzender Hubert Jasper aktuell. „Im Augenblick ist der Chor so gut aufgestellt, dass er Konzerte erfolgreich durchführen kann, aber wie das in zehn bis 15 Jahren aussieht, weiß ich auch nicht“, sagt er.Das Problem sei, dass das aktuelle Liedgut der Chöre für junge Leute nach außen hin nicht attraktiv genug wirke. Würde der Chor sein Liedgut ändern, gefiele dies wiederum den jetzigen Mitgliedern nichtFür neuen Nachwuchs sieht Jasper daher vor allem nur eine Lösung: „Es geht nur über Jugendchöre.“ Dies sei auch schon Thema auf Verbandsebene gewesen. Ob diese Weg am Ende auch fruchtet, vermag aber auch er nicht zu beurteilen

Daniele Giustolisi

Chorvereinigung sagt „Danke“

  • Der Vorstand der Chorvereinigung bedankt sich beim Dirigenten und Chorleiter Jacek Stam für seine jahrelange Tätigkeit zum Wohle des Männerchors.
  • Weiterer Dank geht an den Vorsitzenden Gerhard Nolte und die Vorstandsmitgliedern Theo Kleine-Schulte, Gregor schütze und Josef Hülsmann sowie an den Notenwart Karl Klaus und an Norbert Peelen.
  • Dank geht vor allem an die Sänger, die dem Männerchor jahrelang die Treue gehalten haben, und an das Vereinslokal „Altes Gasthaus Döbber“ mit seiner Wirtin, wo der chor seine proben abhielt.

NOTABENE

Chorvereinigung 26.10.2010. Foto: Stefanie KudakFür Erinnerung: Artikel in Halterner Zeitung über Sonntagskonzert in Oktober 2010. Chorvereinigung sang damals Seemannslieder und Shantys bei rund 200 Zuschauer in der Aula. Begleitet wurde der Chor vom Dirigenten und Chorleiter Jacek Stam am Klavier. Außerdem auf der Bühne gastieren Storytellers, Florian Albers und Vladimir Fell.
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Sommerkonzert 2013 bei Preludio

Sommerkonzert bei Preludio – mehr als nur ein Vorspiel

Gitarren-Duo Sommerkonzert 2013

Am Samstag, 13.07.2013, richtete die Musikschule Preludio im Pfarrheim St.Laurentius ihr alljährliches Sommerkonzert aus. Die wunderbare Atmosphäre mit Kuchenbuffet und musikalischer Untermalung der Pause durch die Sängerin Kathrin Kweseleit und Jacek Stams Jazz-Trio führten einmal mehr dazu, dass die Veranstaltung die Vorstellung von einem reinen Vorspiel bei weitem übertraf. Bei herrlichem Wetter wechselten die Besucher zwischen gespanntem Lauschen und entspanntem „Schwätzchen“ mit anderen Eltern und Lehrern.

Natürlich stand aber die Musik im Vordergrund. Schüler aller Klassen zeigten eindrucksvoll, was sie in den vergangenen Monaten dazugelernt haben. Neben den Solovorträgen der Streicher-, Gitarren-, Gesangs- und Klavierschüler gab es in diesem Jahr zwei besondere Beiträge: Ein neu gegründetes Streicherensemble präsentierte erste Erfahrungen im kammermusikalischen Zusammenspiel und Elisa Kruth ließ sich mit ihrem Saxophon von Jacek Stams Jazz-Trio begleiten.

Nach dem wirklich tollen Nachmittag freuen sich Schüler, Eltern und Lehrer nun auf die wohlverdienten Ferien und einen frischen Wiedereinstieg im September. [Fotogalerie]


Jacek Stam – Ein Musiker von der Pike auf


Zurück in die Vergangenheit: Ruhr Nachrichten30.07.1994

Gebürtiger Danziger (41) leitet seit Mai das Haltemer Seniorenorchester

Jacek Stam - RN 30.07.1994Jacek Stam – Ruhr Nachrichten, 30.07.1994

Haltern. (bar) Das Seniorenorchester Haltern musiziert seit Mai dieses Jahres unter neuer, fachkundiger Leitung: Jacek Stam, Musiker „von der Pike auf“ schwingt für die aktiven Mitglieder des Vereins „Musikfreunde der Senioren der Stadt Haltern“ den Taktstock.

Stam wurde am 17. August 1952 in Danzig (heute Gdańsk, Polen) geboren.

Nach dem Abitur besuchte Jacek Stam die Musikschule Danzig und schloß mit dem Grad I (Schwerpunkt Klavier) und Grad ll (Musikerziehung mit Diplomabschluß) ab. Vier Jahre besuchte er dann die Staatliche Musikhochschule in Danzig. (Siehe: Schulbildung / Berufsausbildung in Lebenslauf – wichtige Anmerkung: J. Stam)

Als haupt- und freiberuflicher Pianist, Akkompagnist, Komponist, Arrangeuer, Dirigent und lnstrukteur bei zahlreichen Institutionen hat Stam jahrelange Berufserfahrung.`

In Polen wurde er durch Auftritte in Rundfunk und Fernsehen bekannt. In Deutschland gehörte er den Kurorchestern Malente bzw. Bad Rothenfelde an. Der Schwerpunkt seines künstlerischen Schaffens liegt auf den Gebieten Klavierkompositionen, dichterische Lieder, Pop, Kabarett-. Theater- und Zeichentrickfilmmusik.

Er nimmt die ihm übertragenen Aufgabe als Dirigent sehr ernst, verlangt Disziplin und steuert mit dem Seniorenorchester vielversprechende musikalische Ziele an.

Sollte Stam wieder eine seiner Ausbildung entsprechende Anstellung finden, möchte er nebenberuflich seine derzeitige Tätigkeit als Orchesterleiter weiterführen, denn – so Jacek Stam: „In Haltern möchte ich bleiben“.

 

 

 

 

 

Halterner Polka vor fast 20 Jahren


Zurück in die Vergangenheit: Ruhr Nachrichten29.07.1994

Halterner Polka gefiel Bürgermeister sehr

Uraufführung der Halterner PolkaUraufführung der Halterner Polka – 22.07.1994

Haltern. (bar) „Eine wirklich gelungene Uberraschung. mit der ich nicht gerechnet habe und die mir eine große Freude bereitet“, mit diesen Worten bedankte sich Bürgermeister Hermann Wessel für das Geburtslagsgeschenk des Seniorenorchesters Haltern.

Andreas Viehmann, Vorsitzender des Vereins„Musikfreunde der Senioren Haltem e.V.“ überreichte ihm am Freitag letzter Woche den Text der sechsstrophigen Polka in schmuckvoller Aufmachung. Viel Beifall spendeten alle Anwesenden den Sängerinnen und Sängem des Orchesters, als diese das Lied dann auch noch vortrugen (Foto).

Den Text hat Werner Ebbinghaus abgefaßt, die Vertonung übernahm der Dirigent des Seniorenorchesters Jacek Stam. Wer an der Originalfassung interessiert ist. kann sich gern an die Musikfreunde wenden.     Foto: bar


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Keybord-Aufnahme 1994 (Instrumentalversion):

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