Freie Musikschulen wachsen weiter

PRESSEMITTEILUNG: Jahresstatistik 2016

Bundesverband der Freien Musikschulen veröffentlicht Jahrestatistik 2016
Bundesvorsitzender Mario Müller: Endlich Fördergerechtigkeit herstellen

Bundesverband der Freien MusikschulenDer Bundesverband der Freien Musikschulen hat erstmals eine detaillierte Statistik über seine Mitgliedsschulen und deren Schüler/innen herausgegeben. Wie daraus hervorgeht, werden bundesweit knapp 160.000 Musikschüler/innen von ca. 6300 Lehrkräften in bdfm-Schulen unterrichtet.

Kinder und Jugendliche stellen mit 82 % den größten Anteil der Schüler. 16,7 % der Musikschüler sind über 27 Jahre und 1,3 % über 65 Jahre alt.

Gewachsen ist der Anteil der Teilhabe freier Musikschulen am kommunalen Bildungsangebot: 85% der freien Musikschulen unterhalten Bildungskooperationen mit Institutionen wie Grundschulen, Kindertagesstätten, Musikvereinen oder Chören.

Angesichts dieser Zahlen erhebt der Musikschulverband deutliche Forderungen gegenüber den Kommunen und der Landespolitik. Bundesvorsitzender Mario Müller:

„Freie Musikschulen sind heute wesentlicher Bestandteil des Bildungsangebotes in den Kommunen. Jedoch wird in fast allen Bundesländern ihren Schüler/innen und Mitarbeiter/innen jede Förderung und Unterstützung verwehrt. Fast alle Kommunen in Deutschland fördern nur ihr eigenes Institut und benachteiligen so die freien Musikschulen. Dadurch entsteht eine immense Finanzierungs- und Gerechtigkeitslücke, die zu Lasten der sozial benachteiligten Schüler und ihrer Familien, der Mitarbeiter und ihrer Familien und der musikalischen Bildung insgesamt geht. Wir fordern die Kommunen und Landesregierungen auf, endlich für Gerechtigkeit im Musikschulwesen zu sorgen.“

 

Einseitige Musikschulförderung verfassungswidrig?

Rechtsgutachten löst politische Diskussion aus

bdfm-logo-plus-rgbDer Bundesverband der Freien Musikschulen (bdfm e.V.) veröffentlicht ein Rechtsgutachten von Prof. Dr. Josef Ruthig (Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Europarecht und Rechtsvergleichung, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz). Der Landesverband Rheinland-Pfalz hat es in Auftrag gegeben.

Zum Hintergrund: Das Gutachten beschäftigt sich mit der Frage, ob die aktuelle Regelung der Förderung von Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien rechtlich haltbar ist.

Bisher werden ausschließlich diejenigen Musikschüler mit kommunalen Mitteln und Landesmitteln unterstützt, die eine der kommunalen Musikschulen besuchen. Wenn Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien dagegen ihre Ausbildung an zertifizierten freien oder privaten Musikschulen absolvieren, sind diese bis auf die geringen Bildungs- und Teilhabegutscheine von weiterer Förderung ausgeschlossen.

Die Förderpraxis in Rheinland-Pfalz gleicht der in anderen Bundesländern. Aus diesem Grund sind die Ergebnisse des Gutachtens bundesweit von immenser Bedeutung.

Mittlerweile erhalten ungefähr die Hälfte aller Musikschüler in Deutschland ihre musikalische Ausbildung an einer freien Musikschule oder im privaten Unterricht.

Das Gutachten beschäftigt sich insbesondere mit der Frage, welche Anforderungen sich aus den bundesdeutschen und europarechtlichen Bestimmungen zukünftig für eine rechtskonforme Musikschulförderung ergeben.

Die Kernergebnisse des Gutachtens:

  • Die derzeitige Ausgestaltung der Musikschulförderung ist verfassungsrechtlich problematisch. Sie ist gleichheitswidrig und intransparent. Sie erzeugt keine Teilhabegerechtigkeit.
  • Durch die derzeitige Förderpraxis wird im tatsächlichen Ergebnis der Zweck, sozial Benachteiligte, besonders Begabte oder Schüler mit Einschränkungen zu fördern, nicht erreicht.
  • Das derzeitige System ist nicht auf die Förderung bedürftiger oder begabter Schüler ausgerichtet, sondern einseitig auf den Erhalt eines kommunalen Musikschulsystems.
  • Einer großen Zahl von Musikschülern wird durch die beschriebenen landespolitischen Regelungen der Zugang zu staatlicher Förderung verwehrt.
  • Es bestehen erhebliche und begründete Zweifel daran, dass die derzeitige Förderungspraxis einer europarechtlichen Überprüfung standhalten würde.

Der Bundesverband der Freien Musikschulen erhebt vor diesem Hintergrund nun deutliche Forderungen an die Politik.

„Wir erwarten sowohl von den Landesregierungen als auch von den Kommunen, dass sie die unerträgliche Diskriminierung unserer Musikschülerinnen und Musikschüler beenden. Sowohl Kommunen als auch Länder müssen Unterrichtskosten – gerade für Schüler aus sozial benachteiligten Familien – in gleicher Weise bezuschussen, unabhängig von der jeweiligen Schulträgerschaft. Das funktioniert bei Kindergärten und bei allgemeinbildenden Schulen bereits seit Jahrzehnten!“, so Mario Müller, Vorsitzender des Musikschulverbandes.

„Die Politik in Bund, Ländern und Kommunen muss freie und private Musikschulen endlich als das behandeln, was sie schon lange sind: die zweite Säule der Musikschullandschaft. Wir werden mit diesem Gutachten im Rücken nicht mehr ruhen, bis das Prinzip der Teilhabegerechtigkeit auch in der Musikschullandschaft gilt. Wir fordern die Politik auf, endlich aktiv zu werden“, ergänzt Max Op den Camp, politischer Sprecher und Bundesvorstandsmitglied.

Bundesverband der Freien Musikschulen bdfm e.V.

Zertifizierung erfolgreich abgeschlossen

Brainin-Musikschule Preludio in Haltern am See ist jetzt zertifiziertes Mitglied im bdfm


Der Bundesverband der Freien Musikschulen (bdfm) ist der Dachverband von derzeit etwa 400 Musikschulen und Musikinstituten aus ganz Deutschland. Seit der Vereinsgründung im Jahr 1997 widmet sich der bdfm allen Fragen rund um die Musikausbildung.

Ziele und Leitgedanken

Eine gleichberechtigte Teilhabe an außerschulischem Musikunterricht muss jedem zugänglich sein – unabhängig von Alter, Einkommen und Herkunft. Daher fördert und stärkt der bdfm die gesellschaftliche Anerkennung der pädagogischen Leistungen von Musikschulen und deren Lehrkräften.

Dem Ausbau des musikalischen Spitzennachwuchses widmet der bdfm ebenso viel Aufmerksamkeit wie der musikalischen Breitenarbeit.
Des Weiteren setzt sich der bdfm dafür ein, dass das inklusive Laienmusikschaffen von kompetenten und qualifizierten Instrumental- und Vokalpädagogen begleitet wird.

Das Plus einer Zusammenarbeit

Eine Kooperation bietet zahlreiche Vorteile: Bund, Ländern und Gemeinden stehen der bdfm und seine zertifizierten Musikschulen als starker und professioneller Partner in allen Belangen rund um die Musikausbildung zur Verfügung. Mit einer Zusammenarbeit wird die lokale Bildungslandschaft bereichert und die kulturelle Identität gestärkt. Musikschulen machen durch eine Kooperation die Qualität ihrer Musikausbildung sichtbar.

Bei Fragen und Problemen ist der bdfm ein kompetenter Ansprechpartner. Der Bundesverband der Freien Musikschulen ist Mitglied im Deutschen Musikrat und vertritt die Interessen seiner Mitgliedsschulen auf politischer Ebene.

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Sonntagsmatinee im Seniorenheim 09.11.2014

Musikbotschafter der Musikschule Preludio

Am vergangenen Sonntagvormittag ( 09.11.2014 ) besuchten zehn Schüler und Schülerinnen der Musikschule Preludio die Bewohner des Seniorenheims St.Sixtus.

Mit den Lehrerinnen Sona Jafarova und Daniela Hofschneider-Zoldan, sowie Musikschulleiter Jacek Stam hatten die jungen Geiger und Pianisten ein abwechslungsreiches Musikprogramm vorbereitet.

Von den Jüngsten, denen noch auf den Klavierhocker geholfen wird, bis zu den Älteren, von denen zwei Schüler ihr Programm für den bevorstehenden Halterner Musikwettbewerb darboten, begeisterten die Schüler das Publikum und wurden mit großem Applaus belohnt.

Alle Beteiligten freuen sich schon auf die nächste Sonntagsmatinee im kommenden Frühjahr.

[Fotogalerie]

 

 

Ganztagsschule: Sterben die Musikschulen aus?

Von den 184.000 Musikschülern könnte etwas über ein Viertel abhanden kommen. Probleme werden vor allem im ländlichen Raum erwartet. Musikschulen seien weit mehr als nur ein Ort des Lernens.

(14.02.2010 ALEXIA WEISS Die Presse)

Klavier8WIEN.  Österreichweit besuchen heute 184.000 Kinder und Jugendliche eine Musikschule, 140.000 davon sind im Pflichtschulalter. „Wenn nun laut einer Umfrage des Bildungsministeriums ein Drittel aller Eltern dazu entschlossen ist, die Ganztagsschule zu nutzen, betrifft das mindestens auch rund 50.000 Musikschülerinnen und Musikschüler“, sagt Walter Rehorska, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Musikerziehung Österreich (AGMÖ).

Er betont, „aus pädagogischen und familienlogistischen Gründen bin ich absolut kein Gegner ganztägiger Schulformen“. Allerdings: Auf die Bedürfnisse musizierender Kinder müsse bei der Planung und Umsetzung ganztägiger Schulformen Rücksicht genommen werden. Man müsse bei der Gestaltung von Freizeitaktivitäten innerhalb der Ganztagsschule ganz klar trennen „zwischen Kreativität, Sport und Musik“.

Der Flow-Effekt

Wenn man ein Instrument erlerne, bedeute das eben nicht nur, nachmittags einen entsprechenden Unterricht zu besuchen. „Nur wenn man auch regelmäßig übt, stellt sich der Flow-Effekt ein, dann gibt es die ersten Erfolge.“ Regelmäßig üben: Das bedeute am Anfang fünfmal in der Woche wenigstens eine halb Stunde trainieren, je nach Fortschritt steigert sich diese Zeitspanne und das Instrument muss täglich gespielt werden.

Aber wird es an den Ganztagsschulen auch entsprechende Räume geben, in denen die Schüler tatsächlich einzeln üben können? In den Städten gebe es bereits jetzt viele Kooperationen zwischen Musik- und Volksschulen, sagt Rehorska. Allerdings vor allem im Bereich des Basis-, also Gruppenunterrichts. Das sei wunderbar in den ersten zwei Lernjahren. Mit der zunehmenden Individualisierung des Unterrichts bei fortschreitendem Können gestalte sich das schwieriger.

Örtliches Kulturzentrum

Rehorska gibt zudem zu bedenken, dass Musikschulen im ländlichen Raum weit mehr als nur ein Ort des Lernens seien: Hier werde der Nachwuchs für viele Vereine – etwas Blasmusikkapellen – herangebildet. Die Musikschule fungiere aber auch oft als örtliches Kulturzentrum. „Es gibt Standorte mit bis zu 400.000 Besuchern im Jahr.“

Wolfgang Fleischhacker leitet eine solche Musikschule. Die Musikschule Murau unterrichtet heute 850 Kinder und Jugendliche, 36 Lehrkräfte sind im Einsatz. Neben dem Stammhaus in Murau gibt es auch Zweigstellen in Neumarkt, Oberwölz, Ranten, St. Lambrecht, St. Peter am Kammersberg, in Scheifling und in Stadl an der Mur. „Es ist sehr wichtig, dass man rausfährt zu den Leuten.“ Wenn der Unterricht nun im Rahmen einer Ganztagsschule bis 16 Uhr, 16.30 Uhr dauere, „dann sind die Schüler mit den schlechten Verkehrsverbindungen am Land frühestens um 17 Uhr, 17.30 Uhr zu Hause“, meint Fleischhacker. Auch er betont: „Wir sind alle keine Gegner der Ganztagsschule. Aber es gibt eben starke und schlechte Zeiten. Und zum Üben braucht man einen Raum, in dem man ungestört ist. Wir befürchten, dass die Musik hier auf der Strecke bleiben wird.“

Würde die Ganztagsschule morgen eingeführt, „würde das einen sofortigen Rückgang der Schülerzahlen von etwa 30 bis 40 Prozent bedeuten“, so Fleischhacker. Wie auch Rehorska regt er daher an, den Musikunterricht in das Ganztagsschulkonzept zu integrieren. Er kann sich zum Beispiel vorstellen, dass die Musiklehrer in das Pflichtschulsystem integriert würden.

Keine Zeit für Wahrnehmung

Wenig kann er einer „Amerikanisierung des Instrumentalunterrichts“ abgewinnen – im sogenannten Klassenmusizieren mit Collegebands werde mehr schlecht als recht in Instrumente getrötet. „Diese Instrumente muss man auch nicht mit nach Hause nehmen, geübt wird während der Probe, für musikalische Wahrnehmungen bleibt ohnehin keine Zeit, weil man sich mit der Vermittlung von technischen Elementarkenntnissen herumschlagen muss, zum Beispiel mit Griffbezeichnungen über den Noten.“ Wer als talentiert eingestuft werde, lerne etwas später in Fünfergruppen. „Nach drei Jahren in solchen Kursen darf der begabteste Schüler vielleicht zu einem Musikprofessor, wo er draufkommt, dass er für eine Musikerkarriere etwas zu alt ist.“ Dieses System sei leichter finanzierbar, mache den meisten Kindern genauso viel oder auch mehr Spaß. Das sei auch gut so, passe aber eben nicht ins „Musikland Österreich“.

Ein seltener Wert

Ähnliche Sorgen macht sich auch Rehorska. Schon jetzt gebe es „eine große Jammerei“, weil an den heimischen Musikuniversitäten immer mehr Studierende aus dem Ausland verzeichnet würden. Wobei Rehorska hier erklärend hinzufügt: oft hätten internationale Bewerber um Plätze an den heimischen Musikunis schon eine entsprechende Ausbildung im Ausland hinter sich.

Generell sei die Dichte der musikpädagogischen Angebote in Österreich „ein Wert, den man in der Welt selten findet“. Doch der musikalische Nachwuchs müsse gepflegt werden. Er hofft nun auf entsprechende Konzepte im Rahmen der Diskussion um die Ausweitung der Ganztagsschule.

Mehr zum Thema: „Werden mit den Musikschulen reden“
Arbeitsgemeinschaft Musikerziehung Österreich      www.agmoe.at
Musikschule Murau      www.ms-murau.at
(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 15.02.2010)